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Qualität und Standards im Pflegekinderwesen

Die Lebensgeschichten von Kindern und Jugendlichen, die in Pflegefamilien aufwachsen, sind in aller Regel geprägt durch Brüche, offene Fragen und blinde Flecken. Biographien verlieren an Klarheit und führen dazu, dass den Kindern notwendige Zugänge zu Menschen, Ereignissen und Erlebtem verwehrt bleiben; die angemessene Auseinandersetzung mit ihren Lebensthemen wird durch diesen Umstand erschwert, was gravierende Folgen für die Persönlichkeitsreifung nach sich zieht.

Ursächlich ist hierfür - neben der häufig unbekannten Vorgeschichte bzw. wenig transparenten Verläufen in den Herkunftsfamilien - eine Hilfeplanung, die durch Fachkräftewechsel, unklare Zuständigkeiten und geringe Vernetzung aller an der Hilfeplanung Beteiligten nicht vornehmlich Kontinuität zum Ziel hat. Fiskalische Erwägungen, nicht kindzentrierte familiengerichtliche Beschlüsse, nicht an kindlichem Zeitempfinden orientierte Gutachtenerstellungen sowie nicht zuletzt eine unverantwortliche Grundausstattung und Qualität im Personalbereich führen zu weiteren Brüchen an Wendepunkten, die einen stabilen Lebensrahmen einläuten sollten.

Die derzeitige Regelung zum Wechsel der örtlichen Zuständigkeit führt zusätzlich zu den oben genannten Schwierigkeiten zu vorzeitigen Beendigungen der Pflegeverhältnisse, obwohl eigentlich Stabilität angestrebt sein sollte. Freie Beratungsträger von Maßnahmen der Sonderpflegestellen gem. § 33 Satz 2 SGB VIII, verfügen über einen optimalen Personalschlüssel und sind dadurch in der Lage, sich intensiv mit der Vorbereitung, Auswahl und Beratung der Pflegepersonen zu beschäftigen. Durch das umfassende Profil jeder Pflegefamilie, das hierbei entsteht, kann der vorhandene Platz für ein aufzunehmendes Kind relativ genau beschrieben werden.

Darüber hinaus finden die Begleitung der Anbahnung, die Koordination der Besuchskontakte mit den abgebenden Eltern sowie einem Konzept von Vernetzung, Partizipation und Prozessbegleitung in enger professioneller Beziehung zu den Kindern, Pflegefamilien und häufig auch abgebenden Eltern statt. Durch die gesetzliche Bestimmung des Wechsels nach § 86, 6 SGB VIII kann nicht selbstverständlich davon ausgegangen werden, dass der Beratungsträger auch nach 2 Jahren noch weiter an der Hilfeplanung beteiligt wird. Das bedeutet, dass die Berater, die am meisten in Beziehung und Austausch mit den Beteiligten stehen, damit für die Stabilität eines ganzen Systems der „familiaren Erziehung“ und eine zentrale Stellung für die Kinder, die Pflegepersonen und die Herkunftsfamilie einnehmen, relativ willkürlich ausgeschaltet werden und das System unnötig einer empfindlichen Erschütterung ausgesetzt ist. Hier wird dringend Verlässlichkeit gefordert.